Wer wird uns einmal pflegen? – Blind und gelähmt

Nach zwei Schlaganfällen ist sie erblindet. Aufgrund ihrer halbseitigen Lähmung hatte sie sich nicht getraut, die Operation am Grauen Star durchführen zu lassen. Sie ist eben auch nicht dünn und hat schweres Asthma. Ich kann verstehen, dass sie Angst vor der OP hat. Die Beine sind ödematös und daher stark angeschwollen.

Nun sitzt sie in ihrem Rollstuhl und ich muss ihr am Morgen nicht nur die Beine wicklen, sondern sie auch kämmen und den Tag über auf die Toilette bringen. Ich versuche ihr, obwohl ich im Streß bin, immer das Gefühl zu geben, dass ich nicht genervt bin, wenn ich ihr aufhelfe, sie stütze, sie abputze, ihr die Einlage wechsel und sie wieder hinsetze. Obwohl es wirklich sehr schwierig ist, wenn man gerade dabei ist, eine andere Dame oder einen anderen Herren zu versorgen, oder damit beschäftigt ist, Medikamente auszuteilen und man dann alles für sie unterbrechen muss.  Außerdem ist es körperlich sehr anstrengend, sie vom Rollstuhl in das Bett zu befördern. Manchmal habe ich starke Rückenschmerzen.

Doch sie ist ein grundgüter Mensch. Sie ist freundlich und man kann mit ihr Witze machen. Besonders schmerzt es mich, wenn ich ihr morgens die Schiene für die steif gewordene linke Hand anlege. Es tut ihr sehr weh. Dabei massiere ich ihr die Hand vorher mit Öl, um sie etwas beweglicher zu machen. Doch manchmal habe ich einfach keine Zeit dafür. Sie würde mich niemals zurechtweisen, wenn ich ihre zitternde Hand in die die Gipsform presse, schnell und gefühllos, weil ich mal wieder gleichzeitig die Tabletten für das Frühstück verteile oder schnell noch im Nachbarzimmer nachfrage, warum geklingelt wurde. Egal wann und warum – sie würde immer geduldig auf mich warten, wenn ich aufgehalten werde. Sie würde nur im absoluten Notfall nach mir klingeln.

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